Fairness-Versprechen auf dem Prüfstand

Amazon im Fairness-Check

Kapitalhandelsgesellschaft mit Sitz in Seatlle im US-Bundesstaat Washington
Amazon EU S.a.r.l., Amazon Services Europe S.a.r.l., Amazon Media EU
1994 gegründet von Jeff Bezos
Jeff Bezos
2014 entfielen 90 % des Onlinebuchhandels von 2,45 Milliarden Euro auf Amazon. Im Onlinebuchhandel hat Amazon mittlerweile ein Monopol.

Qualitätsurteil der Fairness-Stiftung   Info

So hält Amazon die eigenen Fairness-Versprechen:

Beschäftigte/Partner
Beschäftigte/Partner-Karte
Spricht von Würde und Respekt, nutzt jedoch Mitarbeiter rabiat aus
Kunden/Klienten
Kunden/Klienten-Karte
Versprechen schlecht umgesetzt; bei Kundenkritik intransparent; Kunden als Geisel
Wettbewerb
Wettbewerb-Karte
unfaire Beschäftigungsformen; brutales Vorgehen gegenüber Verlagen und kleinen Händlern
Umwelt/Natur
Umwelt/Natur-Karte
Fairness-Versprechen unzureichend umgesetzt
Öffentlichkeit
Öffentlichkeit-Karte
teilweise Transparenz durch Kundenforum; Ausnutzen der öffentlichen Hand

Fazit der Fairness-Stiftung

Amazon und fair - wie geht das zusammen? Amazon brutalisiert den Wettbewerb, beutet Mitarbeiter aus und drückt kleine Händler. Die Unternehmensziele des Versandhändlers Amazon sind klar formuliert: Wachstum über alles und das kundenfreundlichste und kundenzentrierteste Unternehmen der Welt zu werden. Wachstum gelingt Amazon gut. In Bezug auf Kundenfreundlichkeit und –zentrierungt hat Amazon aber noch sehr viel zu tun. Angefangen bei verbraucherunfreundlichen Darstellungen von Rechten und Bestimmungen in den AGBs. Dies fällt auf, sobald die Geschäftsbeziehung zwischen Amazon und seinen Kunden nicht einfach „funktioniert“. Deutlich wird dies in Kundendiskussionen im Amazon-Kundenforum. Aber auch der Umgang mit Kunden und ihren Beschwerden zeigt einen großen Handlungsbedarf auf. Verdeutlicht wird dies in Medienberichten von über Nacht gelöschten eBooks oder, ohne nachvollziehbaren Grund, gesperrte Kundenaccounts. Die Kritik kleiner wie großer Verlage und von Verbrauchern nimmt zu.

Gegenüber der Umwelt äußert Amazon ein weiteres Fairness-Versprechen. Die Umsetzung dieses Versprechen überzeugt allerdings noch nicht. Zwar spart Amazon z.B. bei Verpackungsmüll, setzt aber weiterhin überwiegend auf klimaproblematische Kern- und Kohleenergie.

Den Kampf um Kunden trägt Amazon derzeit voll auf dem Rücken seiner Mitarbeiter in den Logistikzentren aus. Fair ist das nicht; es ist krass unfair. Hier sind andauernder Arbeitsdruck und der Zwang zu extremer Flexibilität an der Tagesordnung ("Zum Strafkatalog gehört ein Punktesystem. Bei sechs Punkten folgt die Entlassung, schon eine Krankmeldung kostet einen Punkt"). Auf die Spitze getrieben wird diese „Kosteneffizienz“ durch die wiederholte und vielfältige Ausnutzung einer Gesetzeslücke bei der befristeten Einstellung von Arbeitslosen, welche dem Unternehmen Lohnkosten einspart. Auch wenn dies rechtlich möglich ist, ist es dennoch unter Fairness-Aspekten sehr fragwürdig. Aufgrund aktueller TV-Berichte hat Amazon Sicherheits- und Leiharbeitsfirma gekündigt, die für rabiate Vorgehensweisen verantwortlich gewesen sein sollen.

Den Wettbewerbskampf trägt Amazon auf dem Rücken der Kunden und der Produzenten (Verlage) aus.

Der investigative Journalist Brad Stone nennt in seinem 2013 erschienenen Buch über "Jeff Bezos und das Imperium von Amazon" Bezos einen grausamen Lohnherrn, der in seinen eigenen Reihen eine verrohte Gladiatorenkultur herangezogen hat.

Nahezu ein Viertel des deutschen Versandhandels kontrolliert Amazon mit einem Umsatz von 8,7 Milliarden Dollar (2012); zwischen 18 und 20 % liegt der Bücheranteil am Umsatz in Deutschland laut "Buchreport" (2012). Im Onlinebuchhandel hat Amazon ein Monopol. Von 2,45 Milliarden Euro entfielen 90 % auf den Onlinebuchhändler (2014).

Mittlerweile wird Amazon als Datenkrake gesehen, weil mit den massenhaften Daten auch Geschäfte mit Dritten gemacht werden (siehe Carsten Kopp: Amazon kennt dich schon, FAZ-Buch 2013).

(Stand 18.06.2015)

Letzte Aktualisierung: 12/3/2019 - Die Darstellung ist nach bestem Wissen und Gewissen erstellt und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Für die Angaben übernehmen wir keine Gewähr. Fehler und Irrtümer sind nicht ausgeschlossen und werden nach Bekanntwerden schnellstmöglich korrigiert. Wir bitten um entsprechende Hinweise auf unserem Kontaktformular.

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